Bei UNICEF Deutschland arbeitet rund die Hälfte der Belegschaft täglich mit KI

In gut einem Jahr hat die Organisation KI vom unstrukturierten Ausprobieren zu einem festen Teil der Arbeit gemacht: mit einer sicheren KI-Umgebung in der eigenen Cloud, einem Schulungsprogramm für die Breite der Belegschaft und einer Nutzung, die nicht wieder abflacht.

Branche
Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
Programme
Playbook und Austausch im AI FIRST Collective, Schulungsprogramm für die Belegschaft, gemeinsamer Hackathon
Zeitraum
gut ein Jahr

Über das Unternehmen

UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, setzt sich in mehr als 190 Ländern für die Rechte und das Wohlergehen von Kindern ein. UNICEF Deutschland mit Sitz in Köln verbindet Spendenarbeit, Aufklärung und politische Arbeit. Ziel ist, dass Kinder weltweit Zugang zu Gesundheit, Bildung und Schutz bekommen und die Kinderrechte auch in Deutschland bekannt werden und sich durchsetzen.

  • mehr als 190

    Länder, in denen UNICEF sich für Kinder einsetzt

Ausgangssituation

Bei UNICEF Deutschland musste niemand KI in die Organisation tragen. Viele neue Technologien müssen aktiv hineingebracht werden; KI war von Anfang an ein Pull-Thema. Über alle Bereiche hinweg gab es die Erwartung, dass sie hilft, die eigenen Ziele besser zu erreichen.

Die Nachfrage war also da, die Struktur noch nicht. Genutzt wurde KI unstrukturiert, im Alltag ähnlich wie eine Websuche. Es fehlten Expertise und klare Rahmenbedingungen.

Damit stand die Organisation vor einer Aufgabe, die viele kennen: in einem Markt, der sich extrem schnell entwickelt, rasch handlungsfähig werden, ohne sich durch lange Vorlaufzeiten selbst auszubremsen und ohne große Abhängigkeiten einzugehen. Die KI-Initiative verantwortet Sebastian Fischer.

Was wir zusammen gemacht haben

  1. UNICEF Deutschland musste sich das Vorgehen nicht mühsam selbst erarbeiten. Die Organisation kam schnell von ersten, unstrukturierten Versuchen zu einem klaren Vorgehen, einer breit befähigten Belegschaft und sichtbarem Momentum in der Umsetzung.

  2. Dafür setzte UNICEF Deutschland zwei Dinge parallel auf. Den Rahmen schuf die Organisation selbst:

    • Eine KI-Richtlinie klärt Fragen von Legal, Compliance, Datenschutz und Security ebenso wie Glaubwürdigkeit und Transparenz. Dazu kamen ein Zielbild und ein Narrativ, wohin die Organisation mit KI will.
    • Sehr früh stellte UNICEF Deutschland ein Large Language Model in der eigenen Cloud bereit, damit alle sicher arbeiten können und keine Schatten-KI entsteht.
  3. Beim Aufbau der Expertise setzte die Zusammenarbeit mit AI FIRST an. Drei Bausteine haben den Unterschied gemacht:

  4. Ein erprobtes Playbook als Grundlage. Statt bei null zu beginnen, setzte UNICEF Deutschland auf einem bewährten Vorgehen auf und schnitt es auf die eigene Organisation zu: Wie legt man eine KI-Initiative auf, in welcher Reihenfolge und mit welchen Leitplanken? Der laufende Austausch mit anderen Organisationen lieferte dabei immer wieder einen Benchmark: was anderswo funktioniert und welche Fehler sich vermeiden lassen.

    „Dieser gesamte Community-Aspekt hat am Anfang den größten Boost gehabt, jenseits von irgendwelchen Schulungen.“

    Sebastian Fischer, Member of the Management Board, UNICEF Deutschland
  5. Ein Schulungsprogramm für die Breite. Fit im Umgang mit KI wurden nicht einzelne Fachbereiche, sondern die Belegschaft in der Breite. Entscheidend war der Praxisbezug: Die Mitarbeitenden arbeiteten parallel zum Lerninhalt direkt in ihrer eigenen KI-Umgebung. Sie probierten Aufgaben aus, die unmittelbar auf ihre eigene Arbeit einzahlten, statt KI nur theoretisch zu verstehen.

  6. Ein Hackathon, der die Umsetzung angestoßen hat. Knapp die Hälfte der Mitarbeitenden machte beim gemeinsam ausgerichteten Hackathon mit. Ob jemand gerade erst begonnen hatte oder schon viel Erfahrung mitbrachte: Das Format holte alle auf ihrem Niveau ab und wirkte als Motivations- und Verständnisschub.

    Volle Reihen beim Hackathon von UNICEF Deutschland, vorn ein Vortrag
    Zwei Teilnehmende arbeiten gemeinsam an einem Laptop
    Teams arbeiten beim Hackathon an ihren Tischen

    „Durch das Live-Zusammenarbeiten war das für alle ein Motivationspush und hat noch einmal den Kopf geöffnet, was möglich ist und wie man es macht.“

    Sebastian Fischer, Member of the Management Board, UNICEF Deutschland

Was heute anders ist

Rund die Hälfte der Belegschaft arbeitet heute täglich und intensiv mit KI, und die Nutzung flacht nicht wieder ab. Nach dem Start der sicheren Umgebung und des praxisnahen Schulungsangebots ist sie sehr schnell gestiegen und auf hohem Niveau stabil geblieben.

Am stärksten verändert hat sich der Blick auf das Thema. Vor gut einem Jahr galt KI als Werkzeug, das man neben der Arbeit nutzt. Heute geht es um die Frage, an welchen Stellen sich Arbeit neu denken lässt. Das zeigt sich im Alltag:

  • Anders arbeiten:

    Die Nutzung hat sich von einzelnen Chat-Anfragen zur Arbeit mit Agenten und Skills verschoben.

  • Anders anfangen:

    Bei neuen Aufgaben steht häufig zuerst die Frage, wie KI dabei helfen kann.

  • Bewusster einsetzen:

    Parallel wächst das Gespür dafür, wo menschliche Arbeit für Glaubwürdigkeit und Qualität entscheidend bleibt und wie sich KI wirtschaftlich sinnvoll einsetzen lässt.

„Anders als bei klassischer Software ist die Nutzung nach dem Start sehr schnell nach oben gegangen — und sie flacht nicht wieder ab.“

Sebastian FischerMember of the Management Board, UNICEF Deutschland

Was ihr davon mitnehmen könnt

  • Erst der sichere Rahmen: Eine Richtlinie und eine eigene KI-Umgebung, bevor die Nutzung wächst. So entsteht keine Schatten-KI.
  • Schulung in der echten Umgebung: Lernt dort, wo ihr danach arbeitet, und an Aufgaben aus eurem eigenen Alltag.
  • Ein Hackathon für alle Niveaus: Er bringt Einsteiger und Erfahrene gleichzeitig in die Umsetzung.

Was bei UNICEF Deutschland geklappt hat, geht auch bei euch.

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