Zwei Fragen, die deine KI besser machen

Wie du fehlenden Kontext sichtbar machst und mittelmäßige Ergebnisse systematisch verbesserst

Felix Schlenther
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Herzlich Willkommen zu den AI FIRST Insights! Die heutigen KI-Modelle lösen komplexe mathematische Probleme, entwickeln Software-Anwendungen und finden die richtigen Informationen aus riesigen Datenmengen im Bruchteil einer Sekunde.

Diese KI kann sehr viele Dinge schon deutlich besser als wir.

Und trotzdem bekommen aus meiner Erfahrung 95% der KI-Nutzer mittelmäßige Ergebnisse aus ein und derselben KI, mit denen die anderen 5% die Grenzen der eigenen Möglichkeiten verschieben.

In unseren Trainings sehe ich jede Woche, dass zwischen diesen beiden Gruppen nur zwei Fragen stehen. Wer anfängt, seiner KI konsequent diese beiden Fragen immer und immer wieder zu stellen, wird endlich die Ergebnisse bekommen, die man von einer KI im Jahr 2026 erwartet.

Los geht’s!

Frage 1: „Was brauchst du von mir, um das Ziel zu erreichen?“

Bei den heutigen KI-Modellen und agentischen Fähigkeiten ist die Umsetzung einer digitalen Aufgabe kein Engpass mehr.

Der Engpass liegt an zwei Stellen:

  1. Klarheit über das Ziel, das erreicht werden soll
  2. Kontext, der für die Erreichung des Ziels erforderlich ist

Der 1. Engpass muss von uns gelöst werden: Die Richtung vorgeben, das Ziel setzen und sich damit auseinandersetzen, wie ein gutes Ergebnis auszusehen hat.

Ich bin überzeugt davon, dass ein immer größerer Teil unserer Zeit in diese Arbeit fließen wird und die Entscheidung darüber, was überhaupt gemacht werden soll, immer mehr menschliche Kreativität und Intuition erfordert.

Kommen wir zum 2. Engpass. Wir können das richtige Ziel bestimmen und noch so detaillierte Kriterien anlegen…wenn wir nicht wissen, wie wir dorthin kommen und was es zur Erreichung des Ziels benötigt, dann bringt uns das herzlich wenig.

Hier kommt KI ins Spiel.

Aufgrund des Modelltrainings der letzten Jahre, ist KI extrem gut darin geworden, einen passenden Umsetzungsweg zu finden, wenn sie das Ziel kennt und den vollständigen Kontext hat. Anstatt dich selbst zu fragen, welchen Kontext deine KI für die Erreichung des Ziels benötigt, fragst du sie einfach selbst:

„Ich will [Ziel/Ergebnis präzise beschreiben]. Was brauchst du von mir, um mich zu diesem Ziel/Ergebnis zu führen?“

Diese Frage ist so unglaublich einfach und doch so wirkungsvoll.

Viele Menschen verbringen viel zu viel Zeit mit der Formulierung von Prompts, wobei sie Klarheit über ihr Ziel brauchen und dann KI nutzen können, um den notwendigen Kontext bereitzustellen.

Den Umsetzungsweg findet die KI dann schon selbst.

Frage 2: „Wie kannst du deine Anweisung verbessern?“

Eines unserer AI FIRST Prinzipien lautet „Perfektion kommt durch Iteration“. Das gilt insbesondere für die Arbeit mit KI.

Du kennst bestimmt auch das hoffungsvolle Gefühl auf einen KI-Output, den die Welt noch nicht gesehen hat, nachdem du 10 Minuten deine Anforderungen und dein Ziel diktiert hast, weitere Dateien als Guideline gibst und die KI Zugriff auf allen Kontext bekommt den sie sonst so braucht. Du denkst dir: Das muss doch jetzt richtig gut werden.

Die KI arbeitet 20 Minuten an der Aufgabe…und aus Hoffung wird Enttäuschung, weil das Ergebnis meh ist. Ist zum Glück nicht immer so, aber kennen wir alle.

In diesem Moment erlebe ich zwei typische Reaktionen:

  1. Endloses iterieren auf dem Ergebnis mit dutzenden Folge-Prompts
  2. Rumwurschteln im ursprünglichen Prompt

Funktioniert beides nur semi gut.

Ich gehe mittlerweile immer davon aus, dass die KI selbst die besten Anweisungen für sich schreiben kann, wenn sie gutes Feedback bekommt. Wenn ich mit Ergebnissen nicht zufrieden bin, schaue ich mir genau an, was ich anders erwartet habe.

Dann stelle ich folgende Frage:

„Ich bin mit diesen Punkten unzufrieden: [Feedback/Fehler beschreiben]. Wie muss deine Anweisung überarbeitet werden, damit das erwartete Ergebnis erreicht wird?“

Dann schaue ich mir den Vorschlag an, mache eventuell noch letzte Anpassungen und lasse die KI ihre eigene Anweisung überarbeiten. Das funktioniert in den meisten Tools für Prompts im Chat, Skills, Agent-Anweisungen und Workflows.

Beide Fragen gehören in denselben Ablauf

Die beiden Fragen sind keine einzelnen Prompt-Tricks. Sie gehören zusammen und ergeben einen wiederholbaren Arbeitsablauf für komplexere Aufgaben.

1. Ziel definieren

Bevor du die KI losschickst, musst du wissen, was am Ende entstehen soll. Nicht nur: „Erstelle mir eine Präsentation.“ Sondern: Welche Entscheidung soll sie ermöglichen? Für wen? Unter welchen Bedingungen ist das Ergebnis wirklich gut?

„Was will ich am Ende erreichen?“

2. Kontextlücken schließen lassen

Dann lässt du die KI herausfinden, welche Informationen, Kriterien und Rahmenbedingungen ihr noch fehlen.

„Was brauchst du von mir, um mich zu diesem Ziel zu führen?“

3. Ersten Lösungsweg erstellen und prüfen

Erwarte nicht, dass der erste Output perfekt sein muss. Lass die KI einen ersten Weg entwickeln, prüfe das Ergebnis gegen dein Ziel und schau genau hin: Trägt der Ansatz schon oder fehlt noch etwas Grundsätzliches?

4. Wirkung statt Reparaturweg beschreiben

Wenn das Ergebnis noch nicht stimmt, musst du nicht jede einzelne Änderung selbst vorgeben. Beschreibe lieber, was noch fehlt und welche Wirkung du stattdessen erwartest.

„Was ist noch nicht gut genug? Was soll anders sein?“

5. Anweisung und Vorgehen verbessern lassen

Jetzt prüft die KI ihre eigene Arbeitslogik, passt die Anweisung an und testet den neuen Ansatz erneut gegen dein Ziel.

Das funktioniert besonders gut bei Aufgaben, bei denen mehrere Informationen, Perspektiven und Arbeitsschritte zusammenkommen: bei strategischen Entscheidungen, Workshop-Konzepten, umfangreichen Analysen aus Dokumenten und Meetings oder wiederkehrenden Prozessen wie Angebotsvorbereitung, Projektplanung und Kunden-Onboarding.

So entwickelst du eine bessere Art, mit KI zu arbeiten: Du gibst Ziel und Qualitätsmaßstab vor. Die KI hilft dir, Kontext, Vorgehen und Ergebnis immer weiter zu verbessern.

Fazit

Die beste Frage an deine KI ist nicht immer: „Wie schreibe ich den perfekten Prompt?“

Oft sind diese beiden Fragen wertvoller:

  1. „Was brauchst du von mir, um mich zu diesem Ziel zu führen?“
  2. „Wie muss deine Anweisung überarbeitet werden, damit das erwartete Ergebnis erreicht wird?“

Mit der ersten sorgst du dafür, dass die KI den fehlenden Kontext selbst sichtbar macht. Mit der zweiten machst du aus mittelmäßigen Ergebnissen keine endlose Korrekturschleife, sondern eine echte Verbesserung des Vorgehens.

Probier es bei deiner nächsten komplexeren Aufgabe aus.

Bis nächsten Sonntag,

Felix